Dienstag, 9. Dezember 2014

Ein Teller geht auf Reisen - Gewürzquitten mit Vanilleeis und Kindheitserinnerungen



Nun ist er bei mir gelandet, der schöne Teller, den Petra vom Blog Foodfreak im Mai 2013 auf Reisen geschickt hat. Unter dem Motto «ETgaR - Ein Teller geht auf Reisen» ist dieses edle Porzellanteil von Hamburg kreuz und quer durch Deutschland geschickt worden und hatte im Oktober mit dem Tessinerli die Schweizer Grenze überschritten. Zu mir kam er dann von Löffelchen voll Zucker. Gar Köstliches wurde im Laufe der 19 Monate auf dem Teller angerichtet, eine Übersicht der bisherigen Rezepte findet man auch auf Pinterest, die Spielregeln für ETgaR hier.

Ich hatte noch vier Quitten da, die ich unbedingt zu etwas verarbeiten musste/wollte. Aber Quittenmarmelade oder -gelee... naja... ich steh da nicht sooo drauf. Habe da irgendwie ungute Kindheitserinnerungen.
Es musste in den Herbstferien so um 1976 rum gewesen sein. In der Früh war's draussen neblig, doch der Nebel löste sich jeweils so gegen 11 Uhr vormittags auf und dann war eitel Sonnenschein. Ich mochte dieses Wetter. Ich mochte Herbstferien. Erst ein bisschen im Bett rumlümmeln, dann aufstehen, damit man pünktlich um 9.30 Uhr an der Quartier-Strassenecke war. Denn dann kam der Milchmann mit seinem alten, klapprigen VW-Bus und wir Kinder durften jeweils mit auf die Tour.
Bei uns hatten die Briefkästen einen sogenannten Milchkasten. Also heute heisst das Teil Paketfach; aber da früher kaum Pakete gekommen sind, hat man in dieses Fach in der Früh ein «Milchkesseli» (Milcheimerchen) reingestellt und in den Deckel desselben das abgezählte Geld. Ein Liter Vollmilch kostete damals so um die Fr. 1.07. Jedenfalls gab es noch die kupfrigen Ein- und Zweirappenstücke. Wenn wir mit dem Milchmann auf Tour waren, sind wir aus dem VW-Bus gesprungen, haben aus den Milchkästen die Milchkesseli geholt und mussten dem Milchmann dann anhand des abgezählten Geldes vorrechnen, wieviel Milch er in das Kesseli füllen soll. Manchmal lag auch noch ein Zettel mit dabei, wenn die Hausfrau nicht nur Milch, sondern auch Joghurt, Butter und Käse wollte. Manche haben kein Geld in das Kesseli gelegt. Dann durften wird die Gesamtsumme in das Milchbüchlein, welches an einer Schnur von der Bus-Decke baumelte, eintragen. Ende Monat wurde dann abgerechnet. An den Abrechnungstagen dauerte die Tour dann fast doppelt so lange, weil die ganzen Hausfrauen ihre Monatsrechnungen begleichen mussten, was natürlich immer auch noch mit einem Schwatz verbunden war. Wir Kinder fanden diese Schwatzereien ungemein spannend - vor unseren Ohren und Lästermäulern war nichts sicher ;-)

Nun denn... wie gesagt, Herbstferien 1976. Ich hatte grad so schön Pläne geschmiedet, wie diese aussehen sollten. Vormittags jeweils mit dem Milchmann auf Tour, Nachmittags dann mit dem alten Leiterwagen des Nachbarn Zigeuner spielen, auf dem Spielplatz das Laub der vier grossen Nussbäume zu einem grossen Haufen unter den einen Nussbaum schichten, auf den Baum klettern und in den Laubhaufen springen und all so ein Zeugs. Leider machte mir mein Vater bereits am ersten Ferientag einen Strich durch die Rechnung. Schleppte der doch tatsächlich zwei Wäschezainen und einen Zinnzuber voll mit Quitten an. Geschenkt gekriegt von einer Frau aus dem Dorf: «Kinder, die werden geschält und das Kerngehäuse entfernt, damit eure Mutter Marmelade und Gelee kochen kann.» Ohhhhhh nein!!!! Ist der Kerl denn nicht ganz geputzt? Was war denn mit unserer Milchmanntour, mit den Leiterwagenfahrten, mit dem Laubhaufen? 50 kg Quitten... kleine, schwache, zarte Kinderhände... der tickt doch nicht richtig! Ich war sooooooo sauer. Man muss sich auch vorstellen, ich war grosse Schwester. Das heisst, meine drei Jahre jüngere Schwester war nicht wirklich eine Hilfe bei diesen Quitten.


So sassen wir am Dienstag bereits in der Früh bewaffnet mit Brotmessern (als Sägen durchaus tauglich) am Küchentisch und säbelten an den steinharten, gelben Früchten rum. Wir haben uns fast eine Hand abgemacht und am Mittag waren noch nicht wirklich viele Quitten geputzt. Nach dem Mittagessen - meine Mutter war am Nachmittag ausser Haus - ging es weiter mit der Säblerei... bis meine Schwester - sie war manchmal doch zu was zu gebrauchen ;-) - eine grandiose Idee hatte. Schnell stellten wir einen alten Klapptisch an die Strasse, stellten die Quittenkörbe drauf und malten ein grosses Schild. Darauf stand: «ZU VERSCHENKEN - NEHMEN SIE ALLE MIT!» ...und dann ab auf den Spielplatz!
Als meine Mutter nach Hause kam, war die Hälfte der Quitten weg. Die andere Hälfte mussten wir aber leider doch noch putzen - mir ist jedoch jahrelang der Appetit auf Quittenmarmelade und -gelee vergangen. Einzig diese Gewürzquitten vermögen mich zu begeistern.

Rezept
4 Quitten
3 dl Weisswein
50 bis 70 g Zucker
1 Zimtstange
3 Sternanis
7 Pimentkörner
5 Gewürznelken
5 Zimtblüten
1 kleine unbehandelte Zitrone

Quitten schälen, vierteln und Kerngehäuse entfernen. Die Zitrone in acht Schnitze schneiden.
Weisswein mit Zucker und sämtlichen Gewürzen zusammen aufkochen und gute 15 Minuten sirupartig einköcheln lassen. Zitronenschnitze und die Quittenviertel beifügen. Quitten ca. 15 Minuten weich kochen und anschliessend den Topf vom Herd nehmen. Quitten im Sud auskühlen lassen.
Die Quittenviertel in feine Schnitze schneiden zusammen mit Vanilleeis anrichten und mit dem Gewürzsud übergiessen.

Tipp: Kann auch mit Äpfel oder im Sommer mit Pfirsichen zubereitet werden. Hingegen ist dann natürlich die Kochzeit wesentlich kürzer.

Und nun geht der Teller weiter auf Reisen. Lasst euch überraschen.

Donnerstag, 13. November 2014

Urlaub in Westfalen - Münsterland


Heute gibts vor allem Fotos. Fotos aus dem Münsterland. Eine Gegend, wie wir sie in der Schweiz so gar nicht kennen. Eine wunderschöne Parklandschaft... Hecken... kleine Baumgruppen... viele Pferde... gepflegte Bauernhöfe... Moorlandschaften... alles flach. Naja, es gibt sowas wie «Berge», Baumberge heissen die, die höchste Erhebung liegt grad mal 187 m über Meer. Toettchen erzählte, wie er am Fusse der Baumberge mal Holländer auf einem Parkplatz getroffen hat, die Wanderstiefel montiert hatten. ;-)







Im Venner Moor
Im Venner Moor

Freitag, 7. November 2014

Urlaub in Westfalen: Zechensiedlungen und Westfälischer Möhren-Kartoffel-Eintopf


Wir haben ja geurlaubt. Haben (stillgelegte) Zechen im Ruhrgebiet angeschaut, Fördertürme bestaunt, das deutsche Bergwerkmuseum in Bochum besichtigt und dort auch «echte» Bergmannskost gegessen. Toettchen hatte letztes Jahr auf seinem Blog schön beschrieben, wie das Leben in einer Bergarbeitersiedlung ausgesehen hat.
Bergmannskost war einfache, aber nahrhafte Kost. Die Männer unter Tage mussten hart arbeiten, da gehörte was Ordentliches, Sättigendes in den Magen.
Im Bergwerkmuseum in Bochum habe ich einen deftigen Möhren-Kartoffel-Eintopf mit Mettendchen gegessen, der mir ausserordentlich gut geschmeckt hat.
Vorgestern war das Wetter im Emmental gar grauslig, es regnete Bindfäden, war kalt, ekelhaft, garstig. Da schreit das Hennenherz nach deftigem Eintopf. Da ich hier keine Mettendchen kriege, wanderte ein Paar Fribourger Bauernwürstchen in den Eintopf. Das war definitiv die richtige Ersatz-Wahl.



Westfälischer Möhren-Kartoffel-Eintopf mit Fribourger Bauernwurst

500 g mehligkochende Kartoffeln
500 g Karotten
50 g Speckwürfel
1/2 Lauchstange
1/2 Zwiebel
1 Paar Fribourger Bauernwürstchen
1 Lorbeerblatt
3 Nelken
Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Bratbutter
frische Petersilie, fein gehackt

Kartoffeln und Möhren schälen und in Stücke schneiden. Lauchstange vierteln, waschen und fein schneiden Zwiebel fein würfeln. Bratbutter in einem grossen Topf auslassen.  -Speckwürfel darin anbraten, dann Lauch und Zwiebelwürfelchen zugeben und glasig dünsten. Anschliessend die Karotten dazu geben und ca. 5 Minuten mitdünsten. Nun die Kartoffeln, das Lorbeerblatt und die Nelken beifügen und das Gemüse mit Wasser aufgiessen, bis es grad mal bedeckt ist. Salzen und pfeffern und den Eintopf ca. 1 Stunde leise vor sich hinsimmern lassen. Nach ca. 15 Minuten die Wurst hinzugeben und 45 Minuten mitziehen lassen.
Am Ende der Kochzeit die Wurst rausfischen, in Rädchen schneiden und diese wieder in die Suppe geben. Mit frischer, fein gehackter Petersilie bestreuen.




Victoria-Siedlung in Lünen



Alte Kolonie Ewing, Dortmund

Samstag, 1. November 2014

Urlaub in Westfalen - Zechentürme im Ruhrpott





Zeche Radbod



Zeche Minister Stein, Dortmund




Deutsches Bergbaumuseum, Bochum

Wir haben geurlaubt: Toettchen und ich sind gute zehn Tage durch Toettchens Heimat Westfalen getourt. Eine Gegend, die ich bislang nur aus den Medien kannte - Bücher, Zeitschriften, Dokumentarfilme - die mich aber immer sehr faszinierte. Münsterland, Sauerland, Ruhrpott... schon die Namen sind für einen Schweizer faszinierend. Uns Schweizer Kindern der 60er Jahre hatte man beigebracht, dass die Kinder aus dem Pott furchtbar leiden, weil die Luft dort so dreckig sei. Die Pott-Kinder wurden in die Schweizer Berge verschickt, damit sie auch mal saubere Luft atmen konnten. Toettchen hat mir dann auf der Reise durch das Land seiner Kindheit erzählt, dass man früher im Pott sehen konnte, was man atmete. Wäsche raushängen war nix, innerhalb kürzester Zeit war schwarzer Russ auf der weissen Wäsche.
Heute ist das nicht mehr so. Wir tingelten durch den Pott bei strahlendem Herbstwetter, der Himmel war blau und von Smog war nichts zu sehen. Wir sahen Wäsche draussen, Kinder die nicht husteten, die Zechen (Steinkohle) sind still gelegt und die riesigen Steinkohlekraftwerke verfügen über Filteranlagen. Aber trotz Filteranlagen stellen diese Kohlekraftwerke auch heute noch ein Umweltproblem dar. Das Steinkohlekraftwerk Bergkamen z.B. gehört zu den 10 grössten Kohlekraftwerken in Deutschland und verbraucht pro produzierte Gigawattstunde rund 341 t Kohle,  stösst dabei rund 894 t Kohlendioxid, 0,6 t Stickoxid und etwa gleichviel Schwefeloxide aus. Feinstaub aus der Verbrennung der Kohle gelangt in die Luft, pro Jahr in Bergkamen rund 3 Mio. Tonnen (alle Zahlen von 2010/2011).
Die 23 grössten Kohlekraftwerke (9 Braun- und 14 Steinkohle) sind in Deutschland für 25% aller Treibhausgasemissionen verantwortlich sowie für 20% der Schwefeldioxide, 10% der Stickstoffoxide und 44% der Quecksilberemissionen.*

Die folgenden Bilder sind vom Gersteinwerk in Stockum, einem Stadtteil von Werne. Dieses Werk ist kein reines Kohlekraftwerk sondern eine Kombi aus Gas und Steinkohle.




Gersteinwerk Stockum/Werne

Dienstag, 28. Oktober 2014

Herbst-Apéro - Ziegenkäse-Crostini mit westfälischem Knochenschinken, Feigen und Zwiebelconfit


Dass ich dieses Jahr kaum was verbloggt habe, hatte gesundheitliche Gründe. Die geneigte Leserin (Leser sind da mit eingeschlossen) weiss, mein Rücken... Etwas musste geschehen, ich lag ja alle drei Wochen für zehn bis vierzehn Tage flach. Ärzte, Physio, Schmerztabletten, Chiropraktik, Morphium, Massagen, Schmerztabletten, heisse Bäder etc...
Ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer einzigartigen Schmerzklinik brachte endlich Linderung in das über 30jährige Leiden. Unter anderem hatte man mir Sport verschrieben. Über die Stockenten, bzw. die mittelalterlichen Damen beim NordicWalking, habe ich noch vor einem Dreivierteljahr leicht abschätzig gegrinst. Jetzt gehöre ich dazu, das blöde Grinsen ist mir vergangen... ;-)
Denn mit einer lieben Freundin stöckle ich täglich im Morgengrauen über die Feldwege - ärztlich verschrieben sozusagen. Stöckle ich auch nur einen oder zwei Tage nicht, muss ich leiden. Phuuuu, manchmal muss ich den innerlichen Sauhund schon arg prügeln... noch vor 6 Uhr morgens in die Sportlatschen ist irgendwie nicht so das, was der Mensch sich wünscht. Vor allem nicht, wenn es im Bett kuschlig warm und draussen zappenduster und a...kalt ist.
So, aber nun genug der Erklärung, warum und weshalb ich so lange nix verbloggt habe. Mir geht es wesentlich besser. Jetzt muss ich mir nur noch den Ruck geben, wieder in die Bloggerei zurückzufinden. Hier mal ein kleiner Versuch.
Diese herbstlichen Crostini hatte ich letztens bereits Freunden kredenzt, dann kamen sie bei des Junghahns Purzeltag aufs Brunchbuffet, vor zehn Tagen durften sich meine Herrenkochkurs-Teilnehmer daran erfreuen und letzten Freitag haben das Küken und ich uns auch wieder daran gelabt.
Crostini
1 Frischback-Baguette
75 g Ziegenfrischkäse (z.B. Chavroux) oder Kuhmilch-Frischkäse (z.B. Philadelphia)
4 hauchdünne Tranchen westfälischer Knochenschinken
4 kleine Feigen
grob gemahlener schwarzer Pfeffer

Zwiebelconfit (Rezept siehe unten)

Ofen auf 220 Grad vorheizen. Baguette in Scheiben schneiden. Die Scheiben auf ein Backofengitter legen und in der Ofenmitte 5 bis 7 Minuten backen. Achtung: Crostini unter Kontrolle halten, der Weg vom Crostini zum Kohlestück ist sehr kurz.
Jede Crostinischeibe mit Ziegen- oder Kuhmilch-Frischkäse bestreichen (je nach Geschmack), auf die eine Hälfte ein Stückchen Knochenschinken drapieren, auf die andere Hälfte eine Scheibe Feige legen.
Mit einem Espressolöffel wenig Zwiebelconfit auf den Schinken geben und das Crostini mit grob gemahlenem Pfeffer bestreuen.


Zwiebelconfit
2 grosse, rote Zwiebeln
2 grosse, weisse Zwiebeln
50 g Rohzucker
2 Kaffeelöffel gelbe Senfkörner
1 Kaffeelöffel Korianderkörner
1 Zweig Rosmarin
1 Lorbeerblatt
Salz
Schwarzer Pfeffer
1 dl Balsamico-Rotweingemisch
Bratbutter

Zwiebeln schälen, vierteln und in feine Viertelringe schneiden. In einer Sauteuse oder einem Topf die Bratbutter auslassen. Zwiebeln reingeben und leicht anbraten, dann die Senfkörner, die Korianderkörner und den Zucker dazu geben. Wenn der Zucker leicht caramelisiert, mit der Hälfte des Balsamico-Rotweingemischs ablöschen. Rosmarin, Lorbeer, Salz und ein paar Umdrehungen aus der Pfeffermühle dazu geben. Das Ganze bei kleiner Hitze köcheln lassen, ab und an umrühren. Wenn die Flüssigkeit verdampft ist, den Rest Balsamico-Rotweingemisch beifügen und diese ebenfalls einkochen lassen. Zum Schluss noch mit einem kleinen Spritzer Balsamico und Salz abschmecken. Die Konsistenz sollte zähflüssig-dick sein.
Zum Aufbewahren kann man das Confit sehr heiss randvoll in sehr saubere Gläser abfüllen, Deckel aufschrauben und die Gläster 3 Minuten auf den Kopf stellen. Hält sich im Keller mind. zwei Jahre. Geöffnete Gläser im Kühlschrank aufbewahren.

Und hier noch zwei/drei Impressionen aus Westfalen, wo ich unlängst mit Toettchen im Urlaub war. Bezüglich Schweine, die dort ja frei rumlaufen, z.B. das berühmtberüchtigte Bentheimer Landschwein... da habe ich mich belehren lassen, dass Schweine kälteempfindlich sind. Deshalb waren die auch nicht draussen, als ich dort war. Aber ein kleines Schnuckel-Schweinchen habe ich gesehen. Das lief an der Leine. Das war auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen. Dort, wo ich eigentlich nur Pferde vermutet hatte... ;-)

Schwein und Hund auf der Trabrennbahn in Gelsenkrichen

Naja, und dann haben wir noch ein bisschen gewettet. Mit dem, was wir gewonnen haben - ähm, ehrlichkeitshalber ist zu sagen, dass Toettchen gewonnen hat und ich grad mal meinen Einsatz rausgehauen habe - waren wir lecker Essen.

Trabrennbahn Gelsenkirchen

Kleiner Gewinn... aber immerhin

Und demnächst geht es hier weiter, mit Impressionen aus Westfalen bzw. dem  Ruhrpott und dem Münsterland. Gebt mir ein bisschen Zeit, wieder Fuss zu fassen. Merci :-)

Freitag, 26. September 2014

Apfelküchlein für den Junghahn zum 18. Geburtstag


Liebster Junghahn

Heute vor 18 Jahren hast Du das Licht dieser Welt erblickt. Du wolltest eigentlich nicht, hattest Dich gewehrt mit Händen und Füssen. Termin hätten wir beide bereits 11 Tage vorher gehabt, aber Du hattest Dir Zeit gelassen. Mir war das eigentlich auch ganz recht - bloss keine Eile. Aber heute vor 18 Jahren war es dann plötzlich vorbei mit der Gelassenheit. Nix da mit abwarten und so. Deine Herztöne sackten innerhalb Minuten ab in einen sehr ungemütlichen Bereich... und so erblicktest Du auf eine für uns beide zutiefst hektische Art das Licht dieser Welt.
Deine Geburt war für uns beide stressig. Und auch unser Zusammenraufen war nicht immer einfach. Wir haben uns in den 18 Jahren oft aneinander gerieben, haben uns gezofft, es hat geknallt und gefetzt.
Aber eins will ich Dir hier versichern: Auch wenn es manches Mal geknallt hat, auch wenn wir uns nicht immer einig waren, auch wenn Du Dich manchmal unverstanden gefühlt hast, glaub mir, ich war immer auf Deiner Seite, ich versteh Dich, auch wenn Du das manchmal anders siehst.
Heute bist Du von Gesetzes wegen volljährig. Erwachsen. Und trotzdem bleibst Du immer mein Kind.
Du bist ein feiner Kerl! Ich liebe Dich von ganzem Herzen!


Zu Deinem 1. Geburtstag hatten wir Dir einen Apfelbaum gepflanzt.

Oma und Opa sowie Grosi und Grosätti beim Baum pflanzen.



Oma mit dem einjährigem Junghahn

Zu Deinem 18. Purzeltag kriegst Du von mir Apfelküchlein. Die gehören einfach zum Herbst und zu Deinem Purzeltag dazu. Mit Zimt und Zucker und Vanillesauce.


Öpfuchüechli


4 Äpfel (Gravensteiner)
150 g Mehl
1,5 TL Salz
1,5 dl Mineralwasser oder Süssmost
2 Eigelb
1 TL Öl
2 Eiweiß
Saft einer Zitrone
Kokosfett oder Fritieröl
Zimt und Zucker

Mehl und Salz mischen. Mineralwasser bzw. Most dazu geben, dann das Öl und die Eigelb dazu geben, alles gut zu einem glatten Teig verrühren und 30 Minuten rasten lassen.
Die Eiweiß zu Schnee schlagen und kurz vor dem Backen unter den Teig ziehen.
Die Äpfel schälen, Kerngehäuse ausstechen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Mit dem Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden.
Das Fett auf 180°C erhitzen.
Die Apfelscheiben durch den Ausbackteig ziehen und in heissem Fett goldgelb frittieren. Auf einem Küchenpapier abtropfen lassen, anschliessend mit Zimtzucker bestreuen und mit Vaniellesauce servieren.



Mittwoch, 30. April 2014

Liebeserklärung an die Ziege: Risotto mit Ziegenkäse, Artischocken und roten Zwiebeln


Mein Grossvater hatte Ziegen. Mehrere. Eine kleine Herde. Ich kannte weder meinen Grossvater - er hatte Jahrgang 1881 und starb ca. 5 Monate nach meiner Geburt - noch seine Ziegen. Meine Mutter, die zweitjüngste Tochter meines Grossvaters, hasste Ziegen. Als Kind musste sie mit ihren Geschwistern die Ziegenherde meines Grossvaters hüten. «Störrische Scheissviecher» nannte meine Mutter in ihren Erzählungen die Ziegen, oder auch «Stinkböcke».
Mein Vater mag Ziegenkäse. Hatte aber allerseltenst welchen gegessen - höchstens im Restaurant zum Dessert - weil meine Mutter fast Brechreiz gekriegt hatte, wenn sie Ziegenkäse nur schon von weitem witterte. Ich hab so von klein auf eingetrichtert gekriegt, dass Ziegen und Ziegenkäse stinken.
Bis ich mitte meiner zwanziger Jahre angefangen habe, im Restaurant zu kochen. Da hatten wir z.B. Ziegenkäse-Crostini auf der Karte. Irgendwann habe ich mich durchgerungen, die Crostini zu probieren und ab da war es um mich geschehen. Ich war Ziegenkäse-Fan und meiner Mutter ein klitzekleines bisschen böse, dass sie mir Ziegenkäse mit «Stinkbockkäse» vermiest hatte.
Am Wochenende waren wir an der BEA in Bern. Die BEA findet jeweils im Frühjahr statt und ist die Messe für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Der Stand des Verbands Bernischer Ziegenzüchter hatte es mir besonders angetan. Denn die boten eine riesige Auswahl an Ziegenkäse an. Da habe ich mich einmal quer durchdegustiert und mich zum Schluss für zwei Käse entschieden. Einmal für ein mildes Ziegenmutschli, zum zweiten - und das ist der Käse, den ich fürs heutige Gericht verwendet habe - für einen mehr als ein Jahr gelagerten Alpkäse vom Spycherberg von Christian Schmied aus Ursellen/Konolfingen.


Und mit diesem Ziegen-Alpkäse habe ich das heutige Rezept kreiert - ungelogen, etwas vom besten, das ich in den letzten Wochen gekocht hatte... sozusagen eine Offenbarung. Der Ziegen-Alpkäse ist bröckelig-hart, fast wie ein Parmigiano und recht intensiv im Ziegengeruch. Aber wenn man ihn in ein Risotto reinreibt, geht diese Strenge, die manchem Ziegenkäse eigen ist, in einen mildwürzigen Geschmack über. Hervorragend. Die Kombination mit den gebratenen Artischocken und Zwiebeln, abgelöscht mit Balsamico und bestreut mit frischem Thymian, war schlicht umwerfend.



Rezept für 3 Personen

Risotto
250 g Risottoreis (z.B. Arborio)
1 kleines Glas trockener Weisswein
ca. 1/2 l Gemüsebrühe
1 Lorbeerblatt
1 Stückchen Butter (ca. 15 g)
30 g geriebener Ziegen-Alpkäse

gekocht nach der Anweisung von hier (ohne Parmesan, dafür mit dem Ziegenkäse!)

Artischocken-Zwiebel-Topping
10 Mini-Artischocken
1,5 rote Zwiebeln
frischer Thymian
Salz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl
ein Schluck Balsamico
4 bis 5 Zweige frischen Thymian

zusätzlich 20 g Ziegen-Alpkäse
ein paar Thymianblüten

Risotto kochen und statt Parmesan den Ziegenkäse rein reiben. Die Artischocken putzen wie hier beschrieben. Die Zwiebeln schälen, halbieren und in feine Spalten schneiden. In einer Bratpfanne die Artischocken in Olivenöl sautieren, dann die Zwiebelspalten dazu geben und ebenfalls sautieren. Salzen, mit grobem Pfeffer würzen und mit Balsamico ablöschen. Den Balsamico auf kleinem Feuer einköcheln lassen. Die Thymianblättchen dazu zupfen.
Risotto in Suppenteller anrichten und mit dem Balsamico-Gemüse toppen. Nochmals ein paar Thymianblättchen frisch darüber zupfen, mit einem Sparschäler den Ziegen-Alpkäse darüber hobeln, eine Runde ganz grob gemahlenen Pfeffer über das Gericht drehen und mit ein paar Thymianblüten garnieren.


Infos bezüglich Ziegen und Ziegenprodukte gibt es beim Bernischen Ziegenzüchterverband:
Präsident Daniel Ritter, Breitenwaldstrasse 39, 3414 Oberburg
Telefon 034 423 50 19
Mail: daniel.ritter-kobelatbluewin.ch

Die BEA geht noch bis zum 4. Mai, der Bernische Ziegenzüchterverband befindet sich in Halle 688, Stand A 004